Es gibt eine Wirklichkeit, die den Geist verwandelt, wenn sie ihn erfasst – man muss nicht das Geringste tun. Diese Wirklichkeit tritt in Aktion, sie wird tätig, sie hat ihre eigene Wirkungsweise. Der Geist muss sie jedoch wahrnehmen, muss sie kennen, er darf keine Vermutungen anstellen und darf sich nicht alle möglichen Vorstellungen von ihr machen. Ein Geist, der nach ihr sucht, wird sie niemals finden, aber dieser Zustand existiert zweifellos. 

Wenn ich das sage, stelle ich keine Vermutungen an und spreche auch nicht von einer vergangenen Erfahrung. Es ist so. Dieser Zustand existiert. Und wenn man diesen Zustand erfährt, stellt man fest, dass alles möglich ist, denn das ist Schöpfung, das ist Liebe, das ist Mitgefühl.

Krishnamurti in der Rede am 23. Dezember 1956 in Bombay

Krishnamurti über seine Reden

Wenn der Hinweis gestattet ist: Sie müssen alles anhören. Das ist keine Einladung, morgen wieder zu kommen. Das ist Ihre Sache. Mir ist es gleich, ob Sie kommen oder nicht, und das meine ich ernst. Aber wenn Sie die gesamte Angelegenheit verstehen wollen, das gesamte Leben als Ganzes, dann müssen Sie auch das Ganze anhören. Es ist ein ›Package‹, wie Sie das nennen. Nicht nur ein Kapitel daraus. Es ist ein ganzes Buch, das Sie lesen müssen. Es hat viele Kapitel, viele Absätze. Und dieses Buch sind Sie selbst. Und da wir über all diese Dinge in der nächsten Woche sprechen, muss man – wenn Sie dazu bereit sind – sich das als Ganzes anhören.

Schluss der ersten Rede in Ojai 1984

Neue Übersetzung der vollständigen Originalausgabe

Schöpferische Freiheit
The First and Last Freedom
Übersetzung: Christine Bendner
Theseus-Verlag 2012

Die erste deutsche Übersetzung dieses Buches erschien bereits 1956, enthielt aber nur eine deutlich gekürzte Fassung der Originalausgabe. Seit April 2012 gibt es jetzt eine neue, vollständige Übersetzung. Das 1954 erschienene Buch enthält im Teil 1 Ausschnitte aus Reden, die Krishnamurti zwischen 1946 und 1952 gehalten hat sowie im Teil 2 Antworten auf Fragen während dieser Reden. Zusammen ergibt dies einen ausführlichen Überblick über Krishnamurtis Lehre. 

Editorial

Nichts wird sich in der Welt ändern,
ändert sich nicht der Mensch!

So die Überschrift eines Artikels im Hamburger Abendblatt vom 6. September 1956 über die erste Rede in der Hansestadt, die Krishnamurti am Vortag gehalten hatte. Eine Aussage, die auch 56 Jahre später nichts an Bedeutung verloren hat. Auch wenn in Europa gegenwärtig kein großer Krieg mehr zu drohen scheint: Die Welt ist keinen Deut friedlicher geworden. Die Ausbeutung der Resourcen dieser Erde schreitet immer schneller voran. Der globale Konkurrenzkampf zeichnet sich immer deutlicher ab, und wir hier in Europa schneiden uns eines der größten Stücke vom Kuchen ab. Überall wird auf Wachstum der Wirtschaft gesetzt, obwohl wir wissen, dass wir hier in Europa das 4- bis 5fache dessen verbrauchen, was die Erde hergibt, wenn alle Menschen auf dieser Welt auf unserem Niveau leben würden. Lässt sich diese ständig sich beschleunigende Geisterfahrt der globalen Zivilisation überhaupt noch steuern oder zum Stehen bringen?

Für Krishnamurti war klar, dass wissenschaftliche, technische, politische, ökonomische und soziale Anstrengungen zu keiner wirklichen Lösung führen können. Solange das Denken, Fühlen und Handeln des Menschen vom Eigeninteresse beherrscht wird, zerfällt die Welt zumeist im Gegeneinander und blockiert sich wechselseitig. Ein wirklich grundlegender geistiger Wandel ist erforderlich. In über 60 Jahren hat Krishnamurti rund um den Globus darüber gesprochen. Sein Anliegen war, den Menschen aus den Fesseln der persönlichen Weltsicht und Ich-Vorstellung zu befreien und ihm so die ganze Dimension des Lebens zu eröffnen. In einem so gearteten freien, ungeteilten und ungetrennten Bewusstsein wirken urprüngliches Mitempfinden, Fürsorge und Verantwortlichkeit für das ganze Leben und alle seine Wesen, die alle weder erworben werden können noch müssen.

Diesem Anliegen ist auch diese Website gewidmet. Aus diesem Grund bilden Lehre und Werk Krishnamurtis den absoluten Schwerpunkt dieser Website. Der Ausbau dieses Bereiches wird allerdings noch einige Zeit dauern. Eines der Ziele ist dabei, den Zugang zu der ungeheuren Fülle an Material zu erleichtern. Kommentare, Anregungen und Vorschläge dazu aus der Benutzererfahrung mit dieser Website sind uns sehr willkommen. 

  • Bernd Hollstein

Veranstaltungen

Andere Menschen kennenzulernen, die sich ebenfalls für Lehre und Werk Krishnamurtis interessieren, ist vor allem bei Treffen möglich. Treffen gibt es sowohl in Deutschland wie auch in der Schweiz und in England. Termine und Orte veröffentlichen wir regelmäßig auf dieser Website.

Aktuell stehen hier die Ankündigungen für folgende Veranstaltungen:

Frühjahrstreffen 2016
Donnerstag, 2. bis Sonntag, 5. Juni 2016
Fuldatal bei Kassel

Retreat im Haus Sonne 2016
Samstag 17. bis Samstag 24. 9. 2016
bei Schönau am Belchen im Südschwarzwald

Tagestreffen »Krishnamurti verstehen«
Samstag, 30.4., 9.7., 10.9., 12.11. 2016
Fischbachtal/Niedernhausen (Nähe Darmstadt)

Krishnamurti über Erziehung, Bildung und Schulen

Das Leben zu verstehen heißt, sich selbst zu verstehen, und damit beginnt und endet alle Bildung und Erziehung.

Autorität und Erziehung, Kapitel 1

Eine andere Erziehung und Bildung anzubieten, war für Krishnamurti die wichtigste praktische Umsetzung der Lehre. Deshalb sind alle Reden, Gespräche und Schriften zu Bildung und Erziehung in einem eigenen Bereich zusammengefasst.