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Gemeinsam denken, gemeinsam forschen, gemeinsam lernen.

Was ist das eigentlich und worum geht es dabei?

 

Unerlässliche Betrachtungsweisen – Teil 1

Das, ›was ist‹, in seiner Ganzheit sehen

• Krishnamurti (K): Was ist der erste Schritt? …

Pupul Jayakar (PJ): Ich würde sagen, der erste Schritt ist zu sehen, ›was auch immer ist‹.

K: Sehen, ›was ist‹. – Warte. Wie siehst du es? Wie gehst du das an? Denn davon hängt ab, ob das, ›was ist‹ vollständig gesehen wird. Siehst du das, ›was ist‹, nur teilweise? Wenn du es in seiner Gesamtheit siehst, ist Schluss damit.

PJ: Aber so funktioniert es einfach nicht.

K: Natürlich nicht. Weil unser Geist, unser Denken in einzelne Teile zerfällt. Deshalb gehe ich an das Leben oder an das, ›was ist‹, mit einem bruchstückhaften Geist, einem bruchstückhaften Gehirn heran, das sich abgetrennt hat. … Wenn ich das [›was ist‹] nur teilweise sehe, dann führt das zu weiteren Komplikationen. Partielle Wahrnehmung schafft partielle Probleme. Ist es also möglich, den Gesamtkomplex des ›Was-ist‹ zu sehen? Das Ganze und nicht nur ein Bruchstück? Das heißt, ich muss erkennen, ob ich ein Leben führe, das bruchstückhaft ist, das spaltend wirkt. (Pause)

Da würde ich anfangen. Denn wenn ich an das Leben – das mein Bewusstsein ist, meine Art zu denken, zu fühlen und zu handeln – bruchstückhaft herangehe, gehe ich in die Irre. … Ist es möglich, das Leben als Ganzes zu betrachten, ohne dass es in einzelne Teile zerfällt? …

Kann ein Mensch ein Leben führen, das frei von bruchstückhaftem Handeln ist? Wenn jemand fragt: »Womit soll ich anfangen«, würde ich sagen: »Fang damit an und finde selbst heraus, ob du ein bruchstückhaftes Leben führst.« Weißt du, was ein bruchstückhaftes Leben ist? Man sagt das eine, und tut etwas anderes, die ganze bruchstückhafte Lebensweise, die Isolation bedeutet. Deshalb habe ich weder eine Beziehung zu meinem Ehe­partner, noch zum Rest der Menschheit. Fang also damit an. Weißt du, was das bedeutet? Wie ungeheuer tief du forschen musst, um das herauszufinden?

PJ: Was bedeutet ›forschen‹?

K: Beobachten. Ganz klar zu beobachten, ohne jede Voreingenommenheit, ohne jede Richtung, ohne ein Motiv, wie mein Leben bruchstückhaft wird. Es nur zu beobachten und nicht zu sagen: »Ich bin bruchstückhaft und muss ›ganz‹ werden.« Die Vorstellung, ›ganz‹ zu werden, ist eine weitere Spaltung. Das beinhaltet das Beobachten, wie die Spaltung vor sich geht. Das bedeutet, Denken selbst besteht aus Bruchstücken. Und das ist die Ursache der Spaltung. Ich werde etwas anderes werden als du.

PJ: Also ist also die Geburt des Neuen …

K: … nicht möglich, solange man das nicht erkennt. Das ist klar.

›Leidenschaft des Geistes‹, Kapitel 8

 

Bearbeitung: Bernd Hollstein — Letzte Änderung: Di, 15. Feb 2011
Texte: © Krishnamurti Foundation of America + Krishnamurti Foundation Trust

Gemeinsam denken, gemeinsam forschen, gemeinsam lernen – Textsammlung für Gesprächsgruppen:

Vorbemerkung

• Thema oder Gegenstand beim gemeinsam denken, forschen und lernen

Intentionen

Grundlegende Erfordernisse

Unerlässliche Betrachtungsweisen

Teil 1

Teil 2

Sinn und Zweck eines Gesprächs

Anforderungen an die Teilnehmer