Die Kunst des Zuhörens – Teil 4

Sie sehen also, was geschieht. Wir haben heute morgen mit Schönheit begonnen, dann folgte Leidenschaft, dann das Leid und dann das Handeln. Handlung, die auf einer Idee beruht, ist Untätigkeit. Es klingt ungeheuerlich, aber so ist es. Und von dort aus sprachen wir darüber, was Sehen und Hören ist. Das Sehen und das Hören ist mechanisch geworden. Wir sehen niemals etwas Neues. Sogar die Blume, die über Nacht aufgeblüht ist, ist niemals neu. Wir sagen: »Das ist eine Rose, ich habe sie erwartet, hat sich jetzt geöffnet, sie ist schön.« Das bewegt sich immer von Wissen zu Wissen, eine Bewegung innerhalb der Zeit und daher zeitgebunden und darum niemals frei.

Trotzdem sprechen wir über Freiheit, über Philosophie und hören Vorträge über die Freiheit. Die Kommunisten nennen es bürgerlich, was es in gewisser Weise auch ist, denn wenn Sie die Freiheit auf Wissen beschränken, ist es dumm, über Freiheit zu sprechen. Wenn Sie jedoch die ganze Bewegung des Wissens verstehen, gibt es Freiheit. Können Sie also aus dem Zustand der Stille heraus beobachten und auf dem Gebiet des Wissens beobachten und handeln, beides also in Harmonie tun?

A. W. Anderson: Dann ist das Sehen nicht festgelegt. Ja, natürlich. Sie würden vermutlich sagen, dass die klassische Definition von Freiheit in Bezug auf das Wissen lautet: Freiheit ist eine Eigenschaft oder Qualität des Handelns. Im Zusammenhang mit dem, was wir gesagt haben, erscheint es mir schauderhaft, dass man eine solche Behauptung lesen könnte und sie sich nicht selbst enthüllen lässt. Wenn sie sich Ihnen enthüllte, dann müssten Sie diese sehr ernst nehmen. Wenn Sie das als Philosophie-Student lesen würden und es begänne in Ihnen zu arbeiten, würden Sie sich sagen, dass Sie dies klären müssten, bevor Sie weitermachen. Möglicherweise werden Sie nie zu einem Abschluss kommen, aber das wäre unwesentlich.

Krishnamurti: Das ist nicht wesentlich, ganz richtig. Ich dachte gerade, dass man sowohl im Westen als auch im Osten an jedem Tag seines Lebens in die Fabrik oder ins Geschäft gehen muss. Um 6 oder 8 Uhr aufstehen, fahren, gehen, arbeiten, arbeiten, arbeiten für 50 Jahre Routine. Und dann herumgestoßen werden, verletzt werden und den Erfolg anbeten. Nur Wiederholung. Und gelegentlich, wenn es angebracht ist, über Gott sprechen und so weiter. Das ist ein monströses Leben. Und dazu erziehen wir unsere Kinder. Und keiner sagt, lasst es uns um Gottes Willen einmal ganz von neuem betrachten. Lasst uns die Vergangenheit aus unseren Augen wischen, anschauen, was wir tun, aufmerksam sein und darauf achten, was wir tun.

Es ist also etwas sehr Ernstes, über das wir sprechen, denn das Leben wird entsetzlich ernst. Und es ist nur dieser ernsthafte Mensch, der wirklich lebt, nicht die Leute, die religiöse oder andere Unterhaltung suchen. Ich glaube, wir sind zu sehr in Worten gefangen. Für mich ist das Wort nicht die Sache, die Beschreibung ist nicht das Beschriebene. Für uns zählt allein die Beschreibung, weil wir Sklaven der Wörter sind. Wenn Sie also sagen: »Sehen Sie, die Sache ist wesentlicher als das Wort«, dann antwortet man: »Wie soll ich das Wort loswerden, wie soll ich ohne Wörter kommunizieren?« Sehen Sie, wie Sie sich verdrücken? Sie interessieren sich für das Wort, nicht für die Sache. Die Tür ist nicht die Wort-Tür. Wenn wir also in Worten gefangen sind, wird das Wort Tür außerordentlich wichtig, und nicht die Tür selbst. Das hat die Erziehung erreicht. Ein großer Teil dieser Erziehung ist das Akzeptieren von Worten als eine Abstraktion von der Tatsache, von dem, was ist. Alle Philosophien basieren darauf: Endlose Theorien darüber, wie man leben sollte, und der Philosoph selbst lebt nicht. Das sieht man überall.

A. W. Anderson: Einige Philosophen sind mir in dieser Beziehung sehr merkwürdig erschienen. Von Zeit zu Zeit habe ich meine Kollegen gefragt, warum sie nicht so handeln, wenn sie das Zeug glauben. Und sie schauen mich an, als ob ich nicht ganz normal sei. Aber wenn Sie diese Frage nicht stellen können, welche Frage ist es dann überhaupt wert, gestellt zu werden?

Ich denke an die Geschichte, die Sie über die Äffin erzählt haben; wie Sie sich die Hand gegeben haben, ohne dass man dem Tier vorher gesagt hatte, wie man sich die Hand gibt. Es war nicht etwas, das man ihr durch verbale Kommunikation beigebracht hatte. Es war einfach das Richtige zur rechten Zeit, ohne dass jemand kontrolliert hätte, ob es angemessen war. Wie Sie früher gesagt haben, bezieht sich das direkt auf die Meditation.

Krishnamurti: Wir müssen noch Verschiedenes diskutieren: Was ist Liebe, was bedeutet Tod, was ist Meditation, was bedeutet die ganze Bewegung des Lebens? Wir haben noch viel zu tun.

22. Februar 1974