Meditation – Teil 4

A. W. Anderson: Zuhause haben wir einige Vögel und auch eine Katze. Die Vögel toben zwar nicht mit der Katze im Zimmer herum, aber wenn die Vögel abends zu Bett gehen, bleibt die Katze bei ihnen für ein, zwei Stunden im Zimmer und beobachtet sie. Sie scheint zu glauben, sie müsse sich um sie kümmern. Ich habe die Katze oft tagsüber beobachtet, während sie dasitzt und die Vögel mit immenser Intensität beobachtet, und die natürliche Reaktion ist: »Meine Güte, hast du sie nie zuvor gesehen? Was bedeutet diese ununterbrochene Intensität?« Aber sie beobachtet. Und in ihren Augen liegt immer diese kristallene Intensität und Klarheit. Reiner als eine Flamme. Und sie hört niemals auf. Und wenn sie schläft, schläft sie wirklich. Sie fragen mich, was Schlaf sei. Es muss eine Verbindung geben zwischen der Fähigkeit einer Katze ganz zu schlafen und ihrer Fähigkeit ganz wach zu sein.

Krishnamurti: Das ist richtig. Wenn ich also frage und untersuche, was Schlaf ist, muss ich auch fragen, was es heißt, wach zu sein. Bin ich wach oder ist die Vergangenheit so lebendig, dass sie mir mein Leben in der Gegenwart diktiert? Denn dann schlafe ich. Ich werde es anders ausdrücken. Bin ich wach? Ist mein Geist mit der Vergangenheit belastet? Denn wenn ich mit einer Bürde beladen bin, bin ich für die Gegenwart nicht wach, nicht einmal wach, während ich rede, sondern ich rede aus dem Hintergrund meiner Vergangenheit, meiner Erfahrung, meiner Misserfolge, meiner Verletzungen, meiner Depressionen. Daher dominiert die Vergangenheit und verursacht, dass ich jetzt schlafe. Was soll ich also mit der Vergangenheit machen? Die Vergangenheit ist notwendig. Wenn jedoch die Vergangenheit die Gegenwart überdeckt, dann schlafe ich. Ist es daher möglich zu wissen, was die Vergangenheit ist, und sie nicht die Gegenwart überfluten zu lassen?

Diese Frage und ihre Realität tragen ihre eigene Disziplin in sich. Darum sage ich: »Ja, ich weiß, was es bedeutet. Ich kann leben, ich kann vollkommen wach bleiben und dennoch auf dem Gebiet des Wissens tätig sein.« Darin liegt kein Widerspruch. Ich weiß nicht, ob ich mich klar ausdrücke. Beide bewegen sich also in Harmonie. Das eine bleibt nicht hinter dem anderen zurück. Eines widerspricht nicht dem anderen. Es besteht Gleichgewicht. Sehen Sie, was stattfindet. Was bedeutet dann Schlaf? Ich habe nun verstanden, was es bedeutet, wach zu sein. Das bedeutet: Ich beobachte, ich bin achtsam, ich bin achtsam ohne irgendeine Wahl zu treffen, ich beobachte in absichtsloser Achtsamkeit, schaue, gebe acht, horche was vor sich geht, was draußen passiert, was Leute mir erzählen, ob sie mir schmeicheln oder mich beschimpfen. Ich gebe acht. Ich bin also sehr achtsam. Was bedeutet nun Schlaf? Ich weiß, was Schlaf ist: Sich ausruhen, die Augen schließen, um neun, zehn oder später zu Bett gehen. Was ist Schlaf? Und Träume im Schlaf? Was sind Träume?

Ich weiß nicht, was andere dazu sagen. Ich bin nicht an dem interessiert, was andere sagen. Denn meine Untersuchung soll herausfinden, ob Meditation das ganze Feld des Lebens abdeckt, und nicht nur einen Abschnitt. Also gehe ich weiter vor. Ich träume. Warum sollte ich träumen? Träume sind die Fortsetzung meines täglichen Schlafes. Das bedeutet, dass ich – sehen Sie, was geschieht – mein tägliches Leben nicht verstanden habe. Ich beobachte mein tägliches Leben. Mein tägliches Leben ist in Unordnung, ich gehe schlafen und die Unordnung setzt sich fort. Und das Gehirn sagt, ich muss Ordnung haben, sonst kann ich nicht funktionieren. Wenn also der Geist während des Tages keine Ordnung schafft, versucht das Gehirn während der Nacht Ordnung zu schaffen durch Träume, durch Andeutungen. Wenn ich aufwache, habe ich das bestimmte Gefühl, es müsse etwas getan werden.

Sehen Sie also, was stattfindet. Wenn der Geist während des Tages wach ist, hat er Ordnung. Er stellt Ordnung her, wie wir es schon früher diskutiert haben, eine Ordnung, die aus dem Verstehen von Unordnung entsteht. Die Verneinung der Unordnung ist Ordnung, nicht das Befolgen eines Planes, oder eines Musters; all das ist Unordnung. Daher hat der Geist, das Gehirn, während des Tages Ordnung hergestellt. Wenn ich also schlafe, muss das Gehirn nicht mehr daran arbeiten, Ordnung in sich selbst herzustellen, um sicher zu sein. Daher kommt das Gehirn zur Ruhe. Daher wird das Gehirn ruhig und schläft ohne Träume. Es mag oberflächliche Träume haben, wenn Sie das Falsche essen, aber über derlei Dinge spreche ich nicht. Schlaf bedeutet daher Erneuerung des Gehirns.

Sie sehen also, dass das Gehirn auf diese Weise erneuert wird und jung bleibt, ohne Konflikt. Konflikt erschöpft das Gehirn. Schlaf bedeutet daher nicht nur Ordnung, Verjüngung, Unschuld, sondern im Schlaf gibt es auch Zustände, in denen absolute Freiheit zum Untersuchen herrscht, in denen Sie etwas sehen, das Sie mit Ihren physischen Augen niemals vorher gesehen haben. Lebe ich also, lebt der Geist während des Tages auf diese Weise? Sonst ist es keine Meditation. Und ich will kein heuchlerisches Spiel spielen, weil ich niemanden betrüge. Ich betrüge mich selbst und ich will mich nicht selbst betrügen. Ich sehe keinen Grund, mich selbst zu betrügen, denn ich will kein bedeutender Mann sein, keinen großen Erfolg haben. Das ist alles zu infantil. Ich frage mich also, lebe ich so? Wenn nicht, was geschieht? So zu leben, gibt mir Energie, denn ich trage nicht mit mir herum, was andere mir aufbürdeten.