Meditation – Teil 7

Meditation ist also das Befreien des Geistes von seinem Inhalt als Bewusstsein, welches seinen eigenen kleinen Raum schafft. Von dort aus fragen wir also: »Ist das möglich?« Denn ich bin beschäftigt mit meiner Frau, meinen Kindern, meinen Verantwortungen. Ich sorge für den Baum, für die Katze, für dieses und jenes. Und ich bin beschäftigt, beschäftigt, beschäftigt.

A. W. Anderson: Dieses erhellt auf wunderbare Weise den Ausspruch von Jesus, über den die Menschen lange nachgedacht haben und den sie sehr merkwürdig fanden: Füchse haben Höhlen, Vögel haben Nester, das Menschenkind jedoch hat nichts, worauf es seinen Kopf betten kann. Der Mensch, der versteht, erfindet keinen Raum für sich selbst. Es stimmt genau.

Krishnamurti: Schauen Sie. Die Welt wird mehr und mehr übervölkert. Städte werden größer und größer, breiten sich aus, dehnen sich aus, Vororte entstehen. Die Menschen bekommen weniger und weniger Raum, vertreiben die Tiere, töten. Nach außen hin habe ich keinen Raum, es sei denn, ich fahre gelegentlich aufs Land und sage mir, mein Gott, ich wünschte, ich könnte hier leben. Aber ich kann nicht, denn ich habe Verantwortung für dieses und jenes.

Kann es also Raum im Inneren geben? Wenn es innerlich Raum gibt, gibt es ihn auch äußerlich. Aber der äußere Raum wird keinen inneren Raum freigeben. Der innere Raum des Geistes, der frei von Beschäftigung ist – obgleich er in dem Moment mit dem, was er zu tun hat, beschäftigt ist –, ist jedoch in dem Augenblick frei, wenn er es abgeschlossen hat. Ich trage mein Büro nicht nach Hause. Es ist vorbei. Also bedeutet Raum im Geiste das Leermachen des Bewusstseins von all seinen Inhalten und daher endet das Bewusstsein, welches das Denken als das »Ich« geschaffen hat, und darum gibt es Raum. Und dieser Raum ist nicht Ihrer oder meiner. Es ist Raum.

A. W. Anderson: Ja. Ich dachte an die Schöpfungsgeschichte in der Genesis. Die Erscheinung des Raumes tritt ein, als die Wasser von den Wassern getrennt werden, und wir haben nun den Abgrund, über den die Vögel fliegen, und dieser Raum wird Himmelsgewölbe genannt.

Krishnamurti: Es ist der Himmel. Das ist richtig. Also Raum, Richtung, Zeit, Wille, Wahl, Kontrolle. All das hat Bedeutung in meinem Leben, in meinem täglichen Leben, im Leben eines jeden Menschen. Wenn er die Bedeutung der Meditation nicht kennt, lebt er nur auf dieser Ebene des Wissens und darum wird es ein Gefängnis. Und da er in diesem Gefängnis ist, sagt er, ich muss fliehen durch Unterhaltung, durch Götter, durch dieses und jenes, durch Amüsement. Wissen Sie, das ist es, was tatsächlich stattfindet.

A. W. Anderson: Das englische »to vacate« bedeutet, in den Raum hinausgehen. Aber dann gehen wir von einem leeren Loch zum anderen.

Krishnamurti: Wenn das eindeutig festgelegt ist, in mir selbst wahrgenommen, wenn ich es in meinem täglichen Leben wirken sehe, was findet dann statt? Raum bedeutet Stille. Wenn es keine Stille gibt, gibt es Ausrichtung. Es ist das Wirken des Willens: Ich muss etwas tun, ich muss nichts tun, ich muss dieses üben, jenes bekommen. Das Seinsollen, das Nichtseinsollen, das, was gewesen ist, das, was nicht sein sollte, und die Reue, all das wirkt. Daher bedeutet Raum innere Stille. Stille ist nicht der Raum zwischen zwei Geräuschen. Stille ist nicht das Aufhören von Geräusch. Stille ist nichts, was das Denken geschaffen hat. Sie kommt von selbst, unausweichlich, wenn Sie sich öffnen, wenn Sie beobachten, wenn Sie etwas erforschen.

Also erhebt sich die Frage: Kann jene Stille, die ohne Bewegung ist, ohne Richtung ist, ohne Bewegung des Denkens oder der Zeit ist, kann diese Stille in meinem täglichen Leben wirken? Ich lebe auf der Ebene des Wissens, des Geräuschs. Das muss ich. Aber gibt es ein Leben in Stille gleichzeitig mit dem anderen? Bewegen sich diese zwei zusammen wie zwei Flüsse, die miteinander in Ausgewogenheit, in Harmonie und ungetrennt fließen? Ist es möglich, dass es keine Trennung gibt? Denn sonst, um ganz ehrlich zu sein, wenn das nicht möglich ist, kann ich nur auf der Ebene des Wissens leben. Ich weiß nicht, ob Sie das sehen.

Für mich ist es möglich. Ich sage das nicht aus Eitelkeit, ich sage es in großer Demut. Ich denke, es ist möglich. Es ist so. Was findet dann statt? Was ist dann Schöpfung? Ist Schöpfung etwas, das in einem Gemälde, in einem Gedicht, in einer Statue seinen Ausdruck findet oder beim Schreiben oder indem man ein Kind zur Welt bringt? Ist das Schöpfung? Muss Schöpfung zum Ausdruck kommen? Für uns, für die meisten Menschen muss sie ausgedrückt sein, sonst fühlt man sich frustriert, ängstlich und glaubt, nicht zu leben. Was ist also Schöpfung? Man kann das nur beantworten, wenn man all das wirklich durchlebt hat, sonst wird Schöpfung zu etwas ziemlich Billigem. Wie das Leben von Schriftstellern, von denen einige ewig mit sich kämpfen, in ständiger Spannung sind, aus der heraus sie ein Buch schreiben und berühmt werden.

A. W. Anderson: Ja, die psychologische Theorie sagt, dass künstlerische Arbeiten auf Neurosen basieren, was bedeutet, dass ich getrieben werde.