Meditation – Teil 8

Krishnamurti: Was ist also Schöpfung? Ist es so etwas wie ein Erblühen, bei dem die Blume nicht weiß, dass sie blüht? Sehen Sie also, was stattfindet. Schöpfung in meinem Leben, das ist kein Sich-Ausdrücken, ist nicht das Herstellen eines schönen Stuhls. Das eine oder andere mag kommen, wird kommen, jedoch im Leben.

Ausgehend davon erhebt sich eine andere Frage, die wirklich sehr viel wichtiger ist: Denken ist Messen, und solange wir das Denken kultivieren, und all unser Handeln auf dem Denken basiert, so wie es jetzt der Fall ist, hat die Suche nach dem Unermesslichen keine Bedeutung. Ich kann ihr eine Bedeutung geben, kann sagen, dort ist das Unermessliche, dort ist das Namenlose, dort ist das Ewige. Lassen Sie uns nicht darüber sprechen, es ist da. Dies hat keine Bedeutung, ist nur eine Mutmaßung, eine Spekulation oder die Behauptung einiger weniger, die zu wissen glauben. All das muss verworfen werden.

Darum fragt man, wenn der Geist außerordentlich still ist: Was ist das Unermessliche? Was ist das Immerwährende? Was ist das Ewige? Nicht im Sinne von Gott und all der Dinge, die der Mensch erfunden hat. Es tatsächlich sein. Nun öffnet Stille – in diesem tiefen Sinn des Wortes – die Tür. Weil Sie all Ihre Energie haben, nichts verschwendet wird, keinerlei Energie verstreut wird, darum ist in dieser Stille die Summe aller Energie enthalten. Keine stimulierte Energie, keine selbstprojizierte Energie – das alles ist zu kindisch. Weil es dort keine Konflikte gibt, keine Kontrolle, kein Bestreben oder Nichtbestreben, kein Suchen, Bitten, Fragen, Fordern, Warten, Beten, nichts von alledem. Daher ist all jene Energie, die verschwendet wurde, jetzt in dieser Stille gesammelt. Diese Stille ist heilig geworden. Die Stille ist heilig geworden, nicht die heilige Sache, die das Denken erfunden hat.

A. W. Anderson: Nicht das Heilige im Gegensatz zum Profanen.

Krishnamurti: Nein, all das nicht. Nur ein Geist, der heilig ist, kann dieses erkennen, dieses allerhöchste Heilige, das innerste Wesen all dessen, was heilig ist und Schönheit ist. Da ist es also. Gott ist nicht etwas, das der Mensch erfunden oder nach seinem Bild, aus seiner Sehnsucht und seinem Scheitern heraus geschaffen hat. Wenn aber der Geist selbst heilig wird, dann öffnet er die Tür zu etwas, das unermesslich heilig ist. Das ist Religion. Und das beeinflusst das tägliche Leben, die Art, wie ich spreche, wie ich Menschen behandle, das Verhalten, das Benehmen, all das. Das ist religiöses Leben.

Wenn das nicht existiert, dann wird jeder andere Unfug, wie raffiniert auch immer, wie intelligent auch immer, existieren. Das ist die tiefgründigste religiöse Art zu leben. Sehen Sie, etwas anderes findet statt. Wenn dieses geschieht, weil Ihre Energie sich angesammelt hat – nein, nicht Ihre Energie –, weil Energie zugenommen hat, haben Sie andere Kräfte, außersinnliche Kräfte, Sie können Wunder vollbringen, Exorzismus, all diese Dinge, und heilen. Mir ist es so gegangen. Aber all das ist vollkommen belanglos. Nicht, dass Sie keine Menschen lieben. Im Gegenteil, Religion ist die Essenz davon. Aber das sind alles zweitrangige Fragen, und Menschen werden von zweitrangigen Dingen gefangen genommen. Ich meine, sehen Sie, was geschehen ist: Ein Mann, der wirklich heilen kann, wird von Menschen wegen einer kleinen Heilung angebetet.

A. W. Anderson: Das erinnert mich an eine Geschichte, die Sie mir einmal erzählt haben. Es ging um einen alten Mann, der am Ufer eines Flusses saß. Ein junger Mann, den der Ältere einst weggeschickt hatte, um das Notwendige zu lernen, kam zu ihm mit der wundervollen Ankündigung zurück, dass er nun auf dem Wasser wandeln könne. Der alte Mann sah ihn an und sagte: »Du kannst also auf dem Wasser gehen. Du hast all die Jahre gebraucht, um zu lernen, wie man auf dem Wasser geht. Hast Du nicht gesehen, dass dort drüben ein Boot liegt?«

Krishnamurti: Sie sehen, das ist sehr wichtig. Religion ist das Sammeln aller Energie, was Aufmerksamsein ist. In diesem Aufmerksamsein geschehen viele Dinge. Mancher hat die Gabe des Heilens, der Wunder. Ich habe diese Gaben gehabt, ich weiß, wovon ich spreche. Und der religiöse Mann berührt dieses Thema nicht. Er mag gelegentlich sagen: »Tun Sie am besten dieses oder jenes.« Aber es ist etwas zum Weglegen, wie ein Geschenk, wie ein Talent. Es muss weggelegt werden, denn es ist eine Gefahr. Je talentierter Sie sind, desto mehr »Ich« existiert: Ich bin wichtig; ich habe dieses Talent; betet mich an; mit diesem Talent werde ich Geld, Position und Macht bekommen. Auch das ist also etwas höchst Gefährliches.

Ein religiöser Geist ist sich also all dieser Dinge bewusst und lebt sein Leben. Energie, das ist Liebe. Und wenn es diese Empfindung von religiöser Energieansammlung gibt, ist das Liebe, ist es Mitgefühl und Fürsorge. Das wirkt sich auf das tägliche Leben aus. Sie sehen also, dass Sie mit dieser Liebe machen können, was Sie wollen, es wird immer Liebe bleiben. Aber dort, wo Liebe zum Sinneseindruck wird, dort gibt es keine Liebe.

Kann der Geist – ich benutze das Wort Geist im Sinne von Verstand, Gehirn, Körper, des Ganzen – wirklich still sein? Keine herbeigeführte Stille, keine künstlich erzeugte Stille, keine Stille, von der das Denken glaubt, es sei Stille. Nicht die Stille einer Kirche oder eines Tempels. Die haben ihre eigene Stille. Wenn man einen Tempel oder eine alte Kathedrale betritt, haben sie eine außergewöhnliche Stille, nachdem Tausende von Menschen dort gesungen, gesprochen und gebetet haben. Aber es geht darüber hinaus, es ist nicht das.

Diese Stille ist nicht erdacht und darum ist sie wirklich. Es ist keine Stille, die ich durch Übungen hervorgebracht habe. Hier ergibt sich etwas sehr Interessantes: Kommt diese Stille durch Fragen? Ist Stille, ist die Empfindung des Unermesslichen durch mein Fragen entstanden? Nein. Wahrnehmung erkennt das Falsche und verwirft das Falsche. Es gibt keine Frage, sie erkennt und schließt ab. Wenn ich jedoch weiterfrage, zweifle ich weiter. Zweifel hat seinen Platz, aber er muss an der Leine gehalten werden.