Brockwood 1983, Rede 4, Teil 2

Es hat viele, viele Systeme, viele Ritualformen, Beschwörungen und Zaubereien gegeben. Man hat viele Formen körperlicher Quälerei versucht – Fasten, Verleugnung aller sinnlichen Reaktionen –, um an den Punkt zu gelangen, wo der Mensch versteht und ein anderes Leben führen kann.

Die Wissenschaftler versuchen auch mit genetischer Manipulation, durch die Chemie und verschiedene Drogen den Menschen zu verändern. In jeder äußeren Richtung sucht der Mensch, aber vielleicht sucht er niemals im Innern. Er mag die Oberfläche des Daseins leicht angeritzt haben, aber vielleicht hat er sich nie wirklich tief genug damit befasst zu verstehen, dass er beides ist: Materie und gedanklicher Vorgang, der ja auch materiell ist. Das Instrument, das er zur Untersuchung benutzte, war Gedanke. Aber Gedanke ist nicht das rechte Instrument, weil Gedanke an sich beschränkt ist.

Einzelne, manche Gruppen und alle organisierten und nicht organisierten Religionen der Welt haben jede Art von Versuch unternommen, um erleuchtet zu werden – wenn man dieses Wort verwenden darf, das von den Gurus so verdorben wurde.

Können Sie alle frommen Dogmen, Glauben, Symbole, Vorstellungen, Rituale und alle jene Beschwörungen, die so wenig Sinn haben, ablegen? Können Sie auf das alles völlig verzichten und keiner Gruppe, keiner geistigen Autorität mehr angehören? Diese beiden Worte »geistige Autorität« sind gerade die Verneinung des Geistigen. Wenn Sie das alles ablegen könnten, würde das bedeuten, dass Sie vollkommen frei und ohne Angst sein können, um das Wirkliche zu untersuchen, um zu erforschen, ob es eine Dimension gibt, die nicht vom Denken erfunden wurde.

Wir werden gemeinsam untersuchen, was die Schöpfung ist. Was ist der Ursprung und der Anfang allen Daseins von der winzigsten  Zelle bis zum kompliziertesten Gehirn? Gab es überhaupt je einen Anfang, und gibt es ein Ende? Um das herauszufinden, um das alles zu entdecken, was für eine Art von Gehirn würden Sie dazu brauchen? Welche Fähigkeit, welche Art von Kraft, welche Art von Leidenschaft benötigt man, um das alles zu erforschen?

Wenn man etwas völlig Unbekanntes erforschen will, etwas das man sich nicht vorher ausgedacht hat, wenn man forschen will, ohne in sentimentalen, romantischen Illusionen befangen zu sein, braucht man ein Gehirn, das ganz frei ist. Frei von seiner Prägung, von seiner Programmierung, von jeder Art von Einfluss befreit, also ein Gehirn, das höchst sensibel und enorm aktiv ist. Ist das möglich? Haben Sie so ein Gehirn? Oder ist es eher schwerfällig, faul und lebt in seiner eigenen Überheblichkeit? Welches ist es? Weil wir etwas untersuchen werden, das einen Geist, das ein Gehirn erfordert, welches außerordentlich lebendig, nicht mechanisch und in keinerlei Routine gefangen ist. Haben Sie so ein Gehirn, in dem es keine Angst, kein Eigeninteresse, keine selbstsüchtige Aktivität gibt? Sonst lebt es nämlich die ganze Zeit über nur in seinem eigenen Schatten. Es lebt in seinem eigenen stammesgebundenen, begrenzten Bereich, in seiner eigenen Umgebung. Es gleicht einem Tier, das an einen Pflock gebunden ist. Der Strick kann sehr lang oder kurz sein, aber es ist an einen Pflock angebunden, und deshalb ist sein Spielraum begrenzt. Sie können ihm einen sehr sehr langen Strick geben, aber es bleibt eingeengt.

Ein Gehirn braucht Raum. Was also ist Raum? Nicht nur der Raum zwischen hier und da. Das Wort »Raum« besagt: Zentrumslosigkeit, nicht wahr? Wenn Sie ein Zentrum haben und Sie bewegen sich vom Zentrum zur Peripherie hin, egal wie lang oder wie weit entfernt diese Peripherie ist, so ist das immer noch in Grenzen. »Raum« zeigt also an – nicht wahr? – dass es weder ein Zentrum noch eine Peripherie gibt und deshalb Grenzenlosigkeit besteht. Haben Sie ein solches Gehirn, das zu nichts gehört, an nichts gebunden ist, an keine Ihrer Erfahrungen, Schlussfolgerungen, Hoffnungen, Ideale gebunden ist?

So ein Gehirn braucht Raum und Stille, psychologische Stille. So ein Gehirn ist wirklich ganz frei. Wenn es belastet ist, können Sie nicht sehr weit gehen. Wenn es grob, gewöhnlich, egozentrisch ist, können Sie keinen unermesslichen Raum haben. Und Raum zeigt Leere an (man verwendet hier das Wort sehr sehr vorsichtig). Verstehen Sie? Interessiert es Sie überhaupt? Sind Sie sicher, dass wir miteinander in Kommunikation stehen?