Vorwort des Autors – Teil 3

Vielleicht ist die größte Schwierigkeit, mit der der Lehrer konfrontiert wird, die Gleichgültigkeit der Eltern im Hinblick auf eine weiter reichende und tiefer gehende Erziehung. Die meisten Eltern sind nur an der Förderung eines oberflächlichen Wissens interessiert, das ihren Kindern angesehene Positionen in einer korrupten Gesellschaft sichern soll. Der Lehrer muss also nicht nur die Kinder auf die richtige Weise unterrichten und erziehen, sondern auch darauf achten, dass die Eltern das Positive, das in der Schule angestoßen worden ist, nicht wieder zunichte machen. Die Schule und das Elternhaus sollten eher gemeinschaftlich agierende Mittelpunkte für die richtige Erziehung sein, und sollten in keiner Weise so gegeneinander arbeiten, dass die Eltern eine Sache wünschen und die Lehrer etwas völlig anderes tun. Es ist sehr wichtig, dass die Eltern genau wissen, was der Lehrer tut, und wirklich echtes Interesse an der vollständigen Entfaltung ihrer Kinder haben. Die Eltern tragen also für die Umsetzung dieser Erziehungsziele die gleiche Verantwortung wie die Lehrer, die ohnehin schon eine große Last auf ihren Schultern tragen. Eine umfassende Entwicklung des Kindes kann nur dann gelingen, wenn zwischen Lehrern, Eltern und Schülern die richtige Beziehung besteht. Da sich der Lehrer nicht den vorübergehenden Einfällen oder hartnäckigen Forderungen der Eltern unterordnen kann, müssen diese die Vorgehensweise des Lehrers verstehen und mit ihm zusammenarbeiten, anstatt ihre Kinder in Konflikte und Verwirrung zu stürzen.

Das Kind besitzt von Anfang an eine natürliche Neugier, einen Drang, zu lernen. Diese Eigenschaften sollten auf jeden Fall fortwährend auf intelligente Weise gefördert werden, damit sie lebendig und unverfälscht erhalten bleiben und sie das Kind allmählich an das Lernen in den verschiedensten Fächern heranführen. Wird dieser Lerneifer beim Kind stets ermutigt, wird das Lernen in Mathematik, Erdkunde, Geschichte oder anderen Fächern weder für das Kind noch für den Lehrer zum Problem. Eine liebevolle und achtsame Atmosphäre erleichtert das Lernen.

Emotionale Empfänglichkeit und Einfühlungsvermögen können sich nur dann entwickeln, wenn der Schüler sich in der Beziehung zu seinen Lehrern sicher fühlt. Das Gefühl der Sicherheit in Beziehungen ist ein grundlegendes Bedürfnis von Kindern. Und es besteht ein riesiger Unterschied zwischen dem Gefühl der Sicherheit und dem Gefühl der Abhängigkeit. Bewusst oder unbewusst fördern die meisten Lehrer das Gefühl der Abhängigkeit und begünstigen so auf subtile Weise das Entstehen von Angst – was auch die Eltern auf ihre eigene liebevolle oder aggressive Weise tun. Abhängigkeit entsteht im Kind durch autoritäre oder dogmatische Ansprüche der Eltern und Lehrer, wie das Kind sein und was es tun soll. Abhängigkeit ist immer vom Schatten der Angst begleitet, und diese Angst zwingt das Kind zu gehorchen, sich anzupassen und ohne nachzudenken die Anordnungen und Strafen der Älteren zu akzeptieren. In dieser Atmosphäre der Abhängigkeit wird das Empfindungsvermögen zerstört; aber wenn das Kind weiß und spürt, dass es sicher ist, wird das Erblühen seiner Gefühlswelt nicht durch Angst vereitelt.

Dieses Gefühl der Sicherheit beim Kind ist nicht das Gegenteil von Unsicherheit. Es ist ein Gefühl der Unbefangenheit, sowohl zu Hause als auch in der Schule, das Gefühl, dass es sein kann, was es ist, ohne auf irgendeine Weise unter Druck gesetzt zu werden; dass es auf einen Baum klettern kann, ohne ausgeschimpft zu werden, wenn es herunterfällt. Es kann dieses Gefühl der Sicherheit nur haben, wenn den Eltern und Lehrern das umfassende Wohlergehen des Kindes wirklich am Herzen liegt.

Es ist wichtig, dass ein Kind in der Schule unbefangen ist und sich vom ersten Tag an vollkommen sicher fühlt. Dieser erste Eindruck ist von äußerster Wichtigkeit. Aber wenn der Lehrer mit verschiedenen Mitteln künstlich versucht, das Vertrauen des Kindes zu gewinnen, und ihm erlaubt zu tun, was es will, fördert der Lehrer die Abhängigkeit. Er gibt dem Kind nicht das Gefühl, dass es sicher ist, dass es an einem Ort ist, wo Menschen sind, denen sein vollkommenes Wohlergehen am Herzen liegt.

Die erste Auswirkung dieser neuen, auf Vertrauen beruhenden Beziehung – etwas, das das Kind vielleicht noch nie gehabt hat – erleichtert einen natürlichen Umgang miteinander, bei dem die Jungen die Älteren nicht als Bedrohung empfinden, die man fürchten muss. Ein Kind, dass sich sicher fühlt, drückt auf seine eigene natürliche Weise jenen Respekt aus, der eine wesentliche Voraussetzung für das Lernen ist. Dieser Respekt ist bar jeder Autorität und Angst. Fühlt sich das Kind sicher, ist sein Verhalten oder Betragen nicht etwas, das von einem Älteren angeordnet wurde, sondern wird Teil des Lernprozesses. Weil es sich in seiner Beziehung zum Lehrer sicher fühlt, wird das Kind ganz von selbst rücksichtsvoll sein; und nur in dieser Atmosphäre der Sicherheit können emotionale Empfänglichkeit und Einfühlungsvermögen aufblühen. Wenn das Kind unbefangen ist und sich sicher fühlt, wird es tun, was es mag, aber indem es tut, was es mag, wird es herausfinden, was das Richtige ist; sein Verhalten ist dann nicht von Widerstand, Sturheit, unterdrückten Gefühlen bestimmt oder bloßer Ausdruck eines momentanen Impulses.

Empfindsamkeit bedeutet, dass man für alles empfänglich ist, was einen umgibt: für die Pflanzen, die Tiere, die Bäume, den Himmel, den Fluss, den Vogel im Flug, aber auch für die Stimmungen der Menschen, die um einen herum sind, und für den Fremden, der vorübergeht. Diese Empfindsamkeit führt zu der Fähigkeit, selbstlos und ohne Berechnung zu reagieren, was ein wahrhaft moralisches Verhalten darstellt. Ein empfindsames Kind wird ein offenherziges Verhalten zeigen und nicht verschlossen sein. Daher wird eine bloße Empfehlung des Lehrers leicht und ohne Widerstand oder Reiberei akzeptiert.