Autorität zerstört Intelligenz – Teil 3

Ich hoffe also, dass ihr versteht, auf welche Weise Autorität Intelligenz zerstört. Intelligenz kann sich schließlich nur in Freiheit entfalten, in der Freiheit zu denken, zu fühlen, zu beobachten, zu hinterfragen. Aber wenn ich dich zwinge, mache ich dich genauso dumm wie mich selbst, und das ist es, was normalerweise in der Schule passiert. Der Lehrer glaubt, dass er etwas weiß und ihr nichts wisst. Aber was weiß der Lehrer? Kaum mehr als ein bisschen Mathematik oder Erdkunde. Er hat keine lebenswichtigen Probleme gelöst, er hat nicht die ungeheuer wichtigen Dinge des Lebens hinterfragt – und er donnert wie Jupiter oder wie ein Feldwebel!

In einer Schule wie dieser ist es also wichtig, dass man euch hilft, intelligent und frei zu sein, anstatt euch nur zu disziplinieren, damit ihr tut, was ihr sollt, denn dann werdet ihr in der Lage sein, allen Schwierigkeiten des Lebens ohne Furcht zu begegnen. Dazu braucht man kompetente Lehrer, Lehrer, die wirklich Interesse an euch haben, die sich keine Sorgen um Geld, um Frau und Kinder machen. Und es liegt sowohl in der Verantwortung der Lehrer als auch der Schüler, eine solche Situation herzustellen. Gehorcht nicht einfach, sondern findet heraus, wie ihr ein Problem eigenständig durchdenken könnt. Sagt nicht: »Ich tue dies oder das, weil mein Vater es will«, sondern findet heraus, warum er will, dass ihr es tut, warum er denkt, dies sei gut und etwas anderes schlecht. Fragt ihn, damit ihr nicht nur eure eigene Intelligenz weckt, sondern auch ihm helft, intelligent zu sein.

Aber was geschieht normalerweise, wenn ihr anfangt, eurem Vater Fragen zu stellen? Er diszipliniert euch, nicht wahr? Er ist mit seiner Arbeit beschäftigt und hat nicht die Geduld, nicht die Liebe, sich hinzusetzen und mit euch über die enormen Schwierigkeiten des menschlichen Daseins zu sprechen, über das Verdienen des Lebensunterhalts, über das Eheleben. Er will sich nicht die Zeit nehmen, diese Dinge mit euch zu erörtern, also schiebt er euch beiseite, oder er schickt euch in die Schule. Und euer Lehrer ist in dieser Hinsicht wie euer Vater, er ist wie alle anderen. Es liegt jedoch in der Verantwortung der Lehrer, der Eltern und auch von euch Schülern, Intelligenz zu entwickeln.

Frage: Wie kann man intelligent werden?

Krishnamurti: Was zeigt uns diese Frage? Du verlangst nach einer Methode, die dir hilft, intelligent zu sein – was bedeutet, dass du weißt, was Intelligenz ist. Wenn du irgendwohin gehen oder fahren willst, kennst du dein Ziel bereits und musst nur nach dem Weg fragen. Ebenso denkst du, du wüsstest, was Intelligenz ist, und fragst nach einer Methode, mit Hilfe derer du intelligent werden kannst. Intelligenz ist aber das Infragestellen der Methode. Angst zerstört Intelligenz, nicht wahr? Angst hindert dich daran, Dinge zu untersuchen, zu hinterfragen, zu erforschen; sie hindert dich daran, die Wahrheit herauszufinden. Wenn keine Angst da ist, bist du wahrscheinlich intelligent. Du musst also den gesamten Komplex der Angst untersuchen und frei davon sein; dann besteht die Möglichkeit, dass du intelligent wirst. Aber wenn du sagst: »Wie kann ich intelligent werden?«, entwickelst du nur eine Methode – und wirst dumm.

Frage: Jeder von uns weiß, dass er sterben wird. Warum haben wir Angst vor dem Tod?

Krishnamurti: Warum hast du Angst vor dem Tod? Vielleicht deshalb, weil du nicht zu leben verstehst? Hättest du Angst vor dem Tod, wenn du wüsstest, wie man das Leben in ganzer Fülle lebt? Wenn du die Bäume, den Sonnenuntergang, die Vögel, das fallende Blatt liebtest; wenn du weinende Männer und Frauen, arme Menschen bewusst wahrnähmst und wirklich Liebe in deinem Herzen spürtest – hättest du dann Angst vor dem Tod? Lass dich nicht von mir beeinflussen. Wir wollen gemeinsam darüber nachdenken. Du lebst nicht freudig, du bist nicht glücklich, du bist nicht wirklich empfänglich für das Leben. Fragst du deshalb, was geschieht, wenn du stirbst? Für dich ist das Leben Leiden, und deshalb bist du viel mehr am Tod interessiert. Du denkst, dass du vielleicht nach dem Tod glücklich sein wirst. Aber das ist ein großes Problem, und ich weiß nicht, ob du das wirklich genauer untersuchen willst. Hinter all dem steckt letztendlich Angst – Angst vor dem Sterben, Angst vor dem Leben, Angst vor dem Leiden. Wenn du nicht dahinter kommen kannst, wodurch diese Angst verursacht wird und du nicht frei von ihr sein kannst, macht es keinen großen Unterschied, ob du tot oder lebendig bist.

Frage: Wie können wir glücklich leben?

Krishnamurti: Weißt du es, wenn du glücklich bist? Du weißt es, wenn du leidest, wenn du körperliche Schmerzen hast. Wenn dich jemand schlägt oder wütend auf dich ist, weißt du, dass du leidest. Aber weißt du es, wenn du glücklich bist? Nimmst du deinen Körper bewusst wahr, wenn du gesund bist? Das Glücklichsein ist ein Zustand, dessen du dir nicht bewusst bist, dessen du nicht gewahr bist. In dem Augenblick, da du bewusst wahrnimmst, dass du glücklich bist, hörst du auf, glücklich zu sein, nicht wahr? Aber die meisten von euch leiden, und da ihr euch dessen bewusst seid, wollt ihr vor dem Leiden in den Zustand fliehen, den ihr Glück nennt. Ihr wollt bewusst glücklich sein, und in dem Moment, wo ihr bewusst glücklich seid, ist das Glück schon wieder verschwunden. Kannst du je sagen, dass du freudvoll bist? Erst hinterher, einen Augenblick oder eine Woche später sagst du: »Wie glücklich ich war, wie freudvoll.« Im Moment der Freude bist du dir des Glücks nicht bewusst, und das ist das Schöne daran.