Was ist Neid? – Teil 3

Frage: Was ist äußere Wahrnehmung?

Krishnamurti: Nimmst du nicht wahr, dass du in dieser Halle sitzt? Nimmst du nicht die Bäume, den Sonnenschein wahr? Nimmst du nicht wahr, dass die Krähe krächzt und der Hund bellt? Siehst du nicht die Farben der Blumen, die Bewegung der Blätter, die Menschen, die draußen vorbei gehen? Das ist äußere Wahrnehmung. Wenn du den Sonnenuntergang oder die Sterne am Abendhimmel siehst, das Mondlicht auf dem Wasser, dann ist das äußere Wahrnehmung, nicht wahr? Und so wie du die äußeren Dinge wahrnimmst, kannst du auch innere Vorgänge wahrnehmen: was du denkst, fühlst, deine Motive und Sehnsüchte, deine Vorurteile, deinen Neid, deine Habgier und deinen Stolz. Wenn du in Bezug auf die äußeren Dinge wirklich wach und bewusst bist, erwacht auch die innere Bewusstheit, und dir wird immer mehr bewusst, wie du auf das reagierst, was andere sagen, oder auf das, was du liest und so weiter. Die äußeren Reaktionen oder Antworten in deinen Beziehungen zu anderen Menschen sind das Resultat eines inneren Zustands des Verlangens, des Hoffens, der Unruhe und der Angst. Diese äußere und innere Bewusstheit ist ein Prozess, der eine Einheit bildet und ein absolut vollständiges Verstehen bewirkt.

Frage: Was ist echtes und ewiges Glück?

Krishnamurti: Wenn du vollkommen gesund bist, bist du dir deines Körpers nicht bewusst, nicht wahr? Du nimmst ihn nur bewusst wahr, wenn du krank bist, dich unwohl fühlst oder Schmerzen hast. Wenn du die innere Freiheit hast, umfassend, ohne Widerstand zu denken, bist du dir deines Denkens nicht bewusst. Nur wenn Reibung da ist – eine innere Blockade oder Begrenzung –, wird dir bewusst, dass da jemand ist, der denkt. Und wie ist es mit dem Glück? Ist Glück etwas, dessen du dir bewusst bist? Ist dir im Augenblick der Freude bewusst, dass du dich freust? Nur wenn du unglücklich bist, wünschst du dir Glück, und dann kommt diese Frage auf: »Was ist echtes und ewiges Glück?«

Du siehst, wie der Geist sich selbst zum Narren hält. Weil du unglücklich bist, leidest oder dich in unangenehmen Umständen befindest, wünschst du dir etwas Ewiges, ein dauerhaftes Glück. Und gibt es so etwas? Anstatt nach ewigem Glück zu fragen, solltest du herausfinden, wie du frei von den Leiden sein kannst, die an dir nagen und dir sowohl körperlich als auch seelisch Schmerzen bereiten. Wenn du frei bist, gibt es kein Problem, dann fragst du nicht, ob es ewiges Glück gibt oder was Glück ist. Es ist ein fauler und törichter Mensch, der im Gefängnis sitzt und wissen will, was Freiheit ist. Und faule, törichte Menschen werden es ihm sagen. Für den Mann im Gefängnis ist Freiheit bloße Spekulation. Aber wenn er aus diesem Gefängnis herauskommt, spekuliert er nicht mehr über die Freiheit: Sie ist da.

Ist es also nicht wichtig, herauszufinden, warum wir unglücklich sind, anstatt zu fragen, was Glück ist? Warum ist der Geist so verkrüppelt? Warum ist unser Denken so begrenzt und kleinlich? Wenn wir verstehen können, warum unser Denken begrenzt ist, wenn wir diese Wahrheit erkennen können, dann ist diese Entdeckung der Wahrheit die Befreiung.

Frage: Warum wünschen sich die Menschen etwas?

Krishnamurti: Wünschst du dir nicht etwas zu essen, wenn du hungrig bist? Wünschst du dir keine Kleider und kein Dach über dem Kopf? Das sind normale Wünsche, nicht wahr? Ein gesunder Mensch erkennt natürlich, dass er bestimmte Dinge braucht. Nur ein kranker oder gestörter Mensch sagt: »Ich brauche nichts zu essen.« Und nur ein pervertierter Geist verlangt entweder nach vielen Häusern oder will überhaupt keines, um darin zu leben.

Dein Körper wird hungrig, weil du Energie verbrauchst, also braucht er Nachschub in Form von Nahrung, das ist ganz normal. Aber wenn du sagst: »Ich muss das delikateste Essen haben, ich will nur essen, was meinen Gaumen reizt«, beginnt die Abkehr vom Natürlichen. Jeder von uns – nicht nur die Reichen, sondern alle Menschen auf der Welt – braucht Nahrung, Kleidung und ein Dach über dem Kopf. Aber wenn diese physische Grundversorgung eingeschränkt wird, wenn diese Dinge kontrolliert und nur wenigen zugänglich gemacht werden, dann ist das eine Pervertierung, und es wird ein unnatürlicher Prozess in Gang gesetzt. Wenn du sagst: »Ich muss Dinge anhäufen, ich muss alles für mich haben«, dann enthältst du anderen vor, was sie für ihr tägliches Leben brauchen.

Das ist kein einfaches Problem, weil wir uns über die Dinge unseres täglichen Bedarfs hinaus noch andere Dinge wünschen. Vielleicht würden mir etwas Nahrung, ein paar Kleidungsstücke und ein kleines Zimmer genügen, aber ich will noch etwas anderes. Ich will berühmt sein, ich will eine hohe gesellschaftliche Stellung, ich will Macht, Prestige, ich will Gott am nächsten sein, ich will, dass meine Freunde gut von mir denken und so weiter. Diese inneren Wünsche pervertieren die äußeren Interessen eines jeden Menschen. Das Problem ist ein bisschen kompliziert, weil die Erfüllung des Wunsches, der reichste oder mächtigste Mensch zu sein, der Drang, jemand zu sein, vom Besitz bestimmter Dinge, einschließlich Nahrung, Kleidung und Wohnraum abhängt. Ich stütze mich auf diese Dinge, um innerlich reich zu werden, aber solange ich mich in diesem Zustand der Abhängigkeit befinde, kann ich unmöglich innerlich reich sein, denn das bedeutet, innerlich äußerst einfach zu sein.