Die Entfaltung der Lehre – Teil 5

K: Warum waren die Leute nicht in der Lage zu sehen? Das wäre die normale Frage. Sie sehen nicht, weil sie nicht wirklich zuhören. 

Jetzt hör bitte genau zu. Diese Person, K, sagt, dass die Wahrnehmung der Ganzheit unmittelbar im Augenblick geschieht. Und darauf erwidert der Fragende: »Sag mir, was ich tun soll; hilf mir bitte zu verstehen, was du sagst.«

PJ: Wenn ein Zuhörer diese Frage stellt, ist es, als würde er jemanden bitten – in diesem Fall dich –, ihm Erkenntnis zu geben.

K: Die kann dir niemand geben.

PJ: Dann stecke ich in der Klemme.

K: Nein, warte einen Augenblick. Schau dir die Frage an. Du fragst: Kannst du mir Erkenntnis geben? Und K sagt: Nein, niemand kann sie dir geben. Warte einen Moment. Wie reagierst du auf diese Feststellung, nämlich dass nichts und niemand – kein Guru, kein Prozess, keine Entwicklung, keine Erfahrung – sie dir vermitteln kann?

PJ: Das würde ich bejahen.

K: Ja, aber fragst du nicht auch: Was soll ich tun, wenn ich diese Erkenntnis nicht habe und niemand sie mir geben kann? Das wäre eine normale, gesunde Reaktion. 

(Pause) 

Darauf erwidert K: »Höre, was K sagt, hör zu. Mach keine Theorie oder abstrakte Spekulation daraus. Höre einfach diese Aussage: Niemand kann dir das geben.« Wenn du zuhörst, und wenn es die Wahrheit ist, muss das eine gewaltige Wirkung auf dich haben, weil es deine ganze Aufmerksamkeit gefangen nimmt, wenn du hörst, dass es eine Tatsache ist, dass keine Zeit, keine Vorbereitung notwendig ist.

PJ: Aber glaubst du denn, dass ein Mensch, der sich noch nie in sein Selbst vertieft hat, auf diese Weise zuhören kann?

K: Nein, das kann er nicht, weil er auch dann nicht zuhören wird, wenn er sich in sein Selbst vertieft hat. Pupulji, hör zu. Bist du bereit zu hören, dass dir niemand Erkenntnis geben kann?

PJ: Ja.

K: Was ist jetzt mit deinem Bewusstsein geschehen? Was passiert, wenn du so zuhörst? 

Wenn du von einem Guru oder irgendeiner äußeren Instanz wie Gott oder einer ähnlichen Macht abhängig wärst, würdest du dann wirklich zuhören, oder würdest du sagen: Ich habe zu viel Angst, wirklich auf das zu hören, was du sagst, weil das bedeutet, dass ich alles aufgeben muss? Da ist Angst, und du sagst: Ich höre dir nicht zu, weil das bedeutet, dass ich meine ganze Abhängigkeit von etwas aufgeben muss, das ich [als Menschheit] seit Jahrtausenden entwickelt und betrieben habe. Das ist die Schwierigkeit, Pupul.

PJ: Du hast gerade etwas Wichtiges gesagt. Aber meine erste Frage hast du immer noch nicht beantwortet: die Frage, ob in deiner Lehre eine grundlegende Veränderung statt gefunden hat. 

K: Nein, überhaupt keine.

Er sprach über Autorität, er spricht immer noch über Autorität; er sprach über Angst, er spricht immer noch über Angst; er sprach mit unterschiedlichen Begriffen über das Bewusstsein, und er spricht immer noch darüber. Er sagte, dass das Denken aufhören muss, und das sagt er auch heute noch. Er sprach von den Mechanismen des Verlangens, und er spricht noch immer davon.

PJ: Darf ich noch eine Frage stellen, Krishnaji? Glaubst du, dass im Laufe dieser Jahre – ich zögere, das Wort ›Jahre‹ zu verwenden, weil du dann wieder sagen wirst, dass ich die Zeit ins Spiel bringe – glaubst du, dass im Laufe dieser Jahre in dir eine Veränderung stattgefunden hat? Ich meine diese Frage ganz ernst.

K: Lass mich das genauer anschauen. Diese Frage hat mir noch niemand gestellt. Hat in mir eine grundlegende Veränderung stattgefunden? Bin ich heute ganz anders als vor dreißig Jahren oder zu der Zeit, als ich anfing? Um die Wahrheit zu sagen: Nein. Ja, es gab vielleicht ein paar Änderungen im Ausdruck, im Vokabular, in meiner Sprache und Gestik – du weißt das alles –, aber es hat seit damals keine grundlegende Veränderung stattgefunden.

PJ: Wir sehen also …

K: Das ist Unbewegtheit. Hast du das verstanden? Schauen wir es uns genauer an. 

Höre einfach diese Aussage: allumfassende Wahrnehmung ist etwas Unmittelbares. Dazu sind keine Zeit und keine Vorbereitung notwendig. Alles Suchen und Forschen kann dir nicht helfen, diese unmittelbare Ganzheit zu erfassen. Du fragst mich: »Was ist deine nächste Anweisung? Was soll ich tun?« Nicht wahr? Und darauf antworte ich natürlich: »Tu überhaupt nichts, hör einfach zu.« Denn wenn du genau zuhörst, wenn du hörst, dass Zeit, Vorbereitung, der gesamte Entwicklungsprozess unnötig sind, wenn du wirklich zuhörst – und meine Aussage nicht einfach nur akzeptierst oder sie übernimmst und sagst, »ja, ich habe verstanden‹ –, dann hast du diese unmittelbare Wahrnehmung.