Krishnamurtis Geist – Teil 2

K: (Fortsetzung) Und dann gibt es das Hören ohne das Ohr – mit dem Nicht-Ohr –, ein Zustand, der jenem ähnelt, wenn man einen Stein in einen ruhigen, absolut stillen Teich oder See wirft. Wenn du einen Stein in einen solchen Teich wirfst, verursacht er kleine Wellen, die wieder verschwinden.

Ich denke, das ist der Zustand, wenn man nicht mit dem Ohr hört. Es ist ein Zustand der absoluten Stille des Geistes. Wird einem solchen Geist eine Frage gestellt, ist es, als würde man einen kleinen Stein in einen stillen Teich werfen. Die Antwort ist die Welle, sind die kleinen Wellen. Ich weiß nicht, ob ich das klar genug zum Ausdruck bringe. 

PJ: Ist der Teich die Grundsubstanz des Geistes? Ist es ›reiner Geist‹?

K: Ich kann dir nicht ganz folgen. Wir müssen genauer hinschauen. Was meinst du, wenn du von ›reinem Geist‹ sprichst?

PJ: Dass es die Gesamtheit dessen ist, was ist und was war. Bewusstsein ist, wie du so oft gesagt hast, sein Inhalt. Und das Bewusstsein, wie wir es kennen und nutzen, ist bruchstückhaft.

K: Warte einen Augenblick, schau es dir an. Nehmen wir an, der Geist, das Bewusstsein, ist bruchstückhaft. Wenn du einem solchen bruchstückhaften Bewusstsein eine Frage stellst, muss die Antwort natürlich auch bruchstückhaft sein.

PJ: Du sagst, dass die Frage wie ein Kieselstein in einen Teich geworfen wird. Ist es das Allumfassende, das Ganze, das die Frage empfängt? 

K: Ja, ich glaube, wir sollten uns das ein bisschen genauer anschauen, denn es ist wirklich ziemlich interessant. Pupul, kann der Geist so außerordentlich empfänglich sein, dass die Vergangenheit überhaupt keinen Raum in ihm hat?

PJ: Die Vergangenheit ist ein Bruchstück?

K: Die Vergangenheit ist ein Bruchstück und kommt deshalb überhaupt nicht ins Spiel.

PJ: Du sagst, dass es ein Hören mit dem Ohr gibt, und ein Zuhören mit dem Nicht-Ohr. Hat letzteres die gleiche Qualität wie das Hören mit dem Ohr?

K: Wir kennen das Hören mit dem Ohr. 

PJ: Ja, wir kennen das Hören mit dem Ohr. Zuhören bedeutet, dass ein Wort gehört wird. Ist dann die andere Art des Zuhörens, das Hören ohne das Ohr, von anderer Natur?

K: Oh ja, ganz offensichtlich.

PJ: Von welcher Qualität ist es?

K: Das Hören mit dem Ohr und die Antwort, die auf der Basis dieser Art des Zuhörens gegeben wird, ist zwangsläufig bruchstückhaft, nicht wahr? Aber bei einem Zuhören ohne das Ohr, ist der Zustand des Zuhörens nicht bruchstückhaft.

Mit dem Ohr zuzuhören bedeutet, dass etwas aufgezeichnet und erinnert wird und dass man die Frage auf der Basis dieses vergangenen Wissens, auf der Basis vergangener Erfahrungen beantwortet. Da bei jener anderen Art des Zuhörens die Vergangenheit nicht ins Spiel kommt, ist auch die Antwort nicht fragmentarisch. Ich glaube, das ist richtig so.

PJ: Ist das Nicht-Ohr, das zuhört, etwas anderes als das, was die Frage aufnimmt?

K: Ich kann dir nicht ganz folgen. Bitte drücke dich klar aus.

PJ: Die Frage wird gestellt. Du sagtest, dass sie im Inneren vom Nicht-Ohr aufgenommen wird. Es gibt also ein Nicht-Ohr, das zuhört. Ist dieses Nicht-Ohr, das zuhört, identisch mit dem, was die Frage aufnimmt?

(Pause)

K: Ja, natürlich, es muss dasselbe sein. Ich glaube, ein Teich eignet sich gut als Beispiel. Wir sagen also, dass der Teich absolut still ist und vollkommen klares und reines Wasser enthält. Der Teich ist vollkommen frei von all den Verschmutzungen, die der Mensch hineingebracht hat – die Verschmutzung ist die Vergangenheit und alles Übrige –, und die Frage wird in diesen Teich geworfen wie ein Kieselstein, und die Antwort sind die Wellen. Ich glaube, dass es – zumindest bei mir – so funktioniert.

PJ: Da es also ein Nicht-Ohr gibt, das zuhört, frage ich mich, ob es auch ein Sehen mit einem Nicht-Auge gibt?

K: Ja. Wenn du das Wort ›Auge‹ im Sinne der Sehfähigkeit, des Optischen gebrauchst – ja.

PJ: Können wir uns auch das näher anschauen?

K: Wir wollen sehen, ob das Hören mit dem Nicht-Ohr und das visuelle Sehen ohne Störung durch die Vergangenheit das Gleiche sind. Ja, das Hören ohne das Ohr und das Sehen – das visuelle, optische Sehen – ohne Erinnerung sind ein und dasselbe. Das heißt, Pupul, um es einfach auszudrücken, dass sie dasselbe sind, wenn die Vergangenheit in beiden Fällen nicht ins Spiel kommt.

PJ: Traditionell sagt man ja, dass die nach außen gerichtete Aktivität des Auges der Vorgang des Fokussierens ist, des Benennens. Die nach innen gerichtete optische Bewegung durchbricht den Prozess des Benennens, löst ihn auf. Stimmt das so?